150 Jahre St. Johannis in Leopoldshall
Staßfurt feiert seine Kirche
Festwochenende mit vielfältigen Veranstaltungen
Die evangelische Kirchengemeinde Leopoldshall feiert Kirchweihfest. Die Kirche St. Johannis wird 150 Jahre alt. Zu dem Festwochenende sind alle Gemeindeglieder, Staßfurterinnen und Staßfurter und Gäste der Stadt herzlich willkommen.

Das Posaunenquartett OPUS 4 mit Posaunisten des Gewandhausorchesters zu Leipzig wurde 1994 gegründet. Heute besteht das Ensemble aus Jörg Richter und Dirk Lehmann vom Gewandhaus zu Leipzig sowie Michael Peuker - Posaunist an der Sächsischen Bläserphilharmonie und Wolfram Kuhnt Bassposaunist an der Staatskapelle Halle.
Das umfangreiche Repertoire des Ensembles umfasst Bläsermusik aus fünf Jahrhunderten. Neben originalen Kompositionen aus Renaissance und Barock stehen auch bearbeitete Werke sowie Ur-und Erstaufführungen von Kompositionen die speziell für dieses Ensemble geschrieben wurden, auf dem Programm.
Seit nun über 30 Jahren sucht das Quartett neue Wege der Bearbeitungen umzusetzen, was Ihnen sehr erfolgreich gelingt, und die Zuhörer sind begeistert. Es beweist, dass sich die Posaune wie kaum ein anderes Instrument für alte und neue Musik bis hin zum Jazz gleichermaßen eignet.

Das Programm
Freitag, 12.06.2026, 19.00 Uhr
Christentum und Moderne in Anhalt – Ausflüge in die Geschichte der Gemeinde Leopoldshall. Ein Vortrag von Dr. Jan Brademann, Landesarchivar der Ev. Landeskirche Anhalts. Dazu erklingt Musik von der ebenfalls 150 Jahre alten Nickol-Orgel.
Samstag, 13.06.2026, 16.00 Uhr
Konzert mit Opus 4 – Posaunisten aus dem Gewandhaus Leipzig u.a.mit anschließendem Sektempfang.
Der Eintritt ist frei, um Spenden am Ausgang wird gebeten.
Sonntag, 14.06.2026, 14.30 Uhr
14.30 Uhr: Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest bei Kaffee und Kuchen, Bastelstand, Grill & Kaltgetränken.
17.00 Uhr: Die Orgelmaus-eine Orgelführung der besonderen Art sowie Turmbesteigungen.
An allen Tagen ist in der Kirche eine Ausstellung zur Geschichte von Leopoldshall zu sehen.
150 Jahre Kirche Leopoldshall -
Vortrag zur Geschichte einer Gemeinde (in) der Moderne
Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Kirche Leopoldshall in Staßfurt spricht Dr. Jan Brademann (Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts) am Freitag, den 12. Juni um 19 Uhr in der Kirche Leopoldshall über die wechselvolle Geschichte der Gemeinde von ihren Anfängen im Zeitalter der Industrialisierung bis in die Zeit des Nationalsozialismus.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die junge Arbeiter- und Zuwanderergemeinde den Herausforderungen der Moderne stellte. Brademann beleuchtet dabei unter anderem das Wirken des liberalen Pfarrers Emil Baumecker sowie des religiösen Sozialisten Hans Richter, der wegen seiner Überzeugungen mehrfach mit dem Anhaltischen Landeskirchenrat in Konflikt geriet. Im Ausblick geht der Referent zudem auf den Kirchenkampf zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche ein.
Über die Geschichte von St. Johannis
Von Peter Wassermann
Am 28. Mai 1874 wurde der Grundstein für die St. Johanniskirche Leopoldshall gelegt. In der Urkunde, welche mit dem Grundstein eingesenkt wurde steht u.a.: „Die Ortschaft Leopoldshall ist erst in neuester Zeit entstanden; der Bürgermeister Hase aus Wahrenbrück legte in den Jahren 1855 und 56 auf der sogenannten Ritterflur bei Staßfurt eine Saline an, die den Namen Leopoldshall erhielt...Im Jahre 1866 zählte Leopoldshall schon 8 chemische Fabriken. Bei der Volkszählung 1864 hatte Leopoldshall 152 Einwohner, 1867 bereits 642 und 1874 ca. 1.800 Einwohner. Diese rapide Zunahme der Bevölkerung machte die Erbauung einer Kirche und Pfarre zu Leopoldshall notwendig.“
So begann also 1874 der Bau der Leopoldshaller Kirche. Die Baukosten wurden mit 37.836 Reichstalern, 18 Groschen und 10 Pfennigen veranschlagt. Die Kosten wurden wie folgt aufgeteilt: 2/3 der Fiskus, 1/3 die Gemeinde Leopoldshall. Am 07.04.1874 wurde der erste Spatenstich zur Erbauung der Kirche getan.
Die Kirche wurde im romanischen/neuromanischen Stil und in Kreuzform erbaut und sollte bereits im Oktober 1875 bei Berufung des Pastors Schneppel fertig sein, konnte jedoch erst Anfang 1876 vollendet werden. (Bauzeit 1 Jahr und 9 Monate- würde man das heute schaffen?) Die Einweihung fand am 06. Februar 1876 statt. Laut den Aufzeichnungen der Chronik ist der Kirchturm 40,5 m (incl. Kreuz) hoch, die Kirche ca. 34 m lang und 11 m breit. Der Innenraum ist 11 m hoch. Und!: Die Kirche hatte schon für damalige Verhältnisse eine modere Gasheizung.
Die Firma Freihold aus Aderstedt fertigte den Altar, der Taufstein stammt vom Unternehmen Kielhorn und die Kanzel von der Firma Hartung aus Bernburg. Die fünf Fenster im Altarraum mit Glasmalerei stellen Jesus und die vier Evangelisten dar und wurden von der Glasmalerei Oidtmann in Lünnich (Rheinland) gefertigt. Die Glaswerkstatt Schneemelcher aus Quedlinburg restaurierte in jüngster Zeit drei der Fenster und fertigte Repliken der zwei zerstörten Bleiglasfenster an.
Die Orgel, gebaut von Orgelbaumeister Nickol aus Dessau, wurde am 3. September 1876 geweiht. Trotz langanhaltender Recherchen haben wir bisher keine weitere Orgel dieses Orgelbauers finden können. Sie hat 2 Manuale und 1 Pedal, 23 klingende Register und ca. 1450 Orgelpfeifen. In den Jahren 1962-1963 sowie im Jahr 2000 wurde die Orgel umfassend saniert.
Die zu den Gottesdiensten sowie zum Mittags- und Abendgeläut zu hörenden Glocken, eine Betglocke, eine Stadtglocke und eine Taufglocke, wurden am 09.01.1919 geweiht. Sie wurden von der Fa. Schilling - Apolda in Gussstahl gegossenen.
Nach der Wende konnten mit Hilfe von Fördermitteln von Bund, Land und Landeskirche umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Neben der Dachsanierung im Jahr 1993 wurden in den Folgejahren die Buntglasfenster saniert und im Jahr 2000 die Innenrenovierung abgeschlossen. Dabei kamen die Ornamentbemalungen der Wände sowie die wunderbare Bemalung des Altars wieder zum Vorschein.
Neben Gottesdiensten finden regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen mit den Musikgruppen der Kirchengemeinde statt. Auch Orgelführungen, Turmbesteigungen, Kirchenkino und erlebnispädagogische Angebote haben ihren festen Platz.




