ARCHIV

Unser Archiv ist das evangelischen Gedächtnis Anhalts. Hier lagern Bücher, Dokumente und Sachzeugnisse aus vielen Jahrhunderten.
Das Archiv hat einen klar definierten Auftrag: Mittels der Dokumentation kirchlichen Wirkens fungiert es als Dienstleister, der die Landeskirche, ihre Gemeinden und Einrichtungen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützt. Zugleich sieht es sich als Institution, durch die die Evangelische Landeskirche Anhalts ihrer Mitverantwortung am kulturellen Erbe gerecht werden will.
Die Übernahme von Archivgut aus den Institutionen der Kirche führt folglich zu mehr als einer Einlagerung von altem, verstaubtem Papier: Es gilt, das darin enthaltene Wissen auf Dauer zu erhalten und zugänglich zu machen, sprich die Archivalien zu erschließen und im Rahmen gesetzlicher Schutzfristen bereitzustellen. Bevor jemand eine Akte, ein Kirchenbuch oder eine Handschrift „durcharbeiten“ kann, muss er von der Existenz dieser Archivalien wissen. Er benötigt verlässliche Informationen über ihren Gegenstand und Entstehungszusammenhang.
Hinweise für die Nutzung
Gebühren
Vielfach ist die Nutzung des Archivs gebührenfrei. Zum Beispiel bei Inanspruchnahme des Archivs für nachweisbar wissenschaftliche und heimatkundliche Zwecke, für den Fall einer geplanten Veröffentlichung unter schriftlicher Zusicherung, ein Belegexemplar der Veröffentlichung kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Anders sieht es bei gewerblicher Nutzung aus. Alle Einzelheiten regelt die Archivgebührenordnung der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Die aktuelle Fassung der Gebührenordnung wurde vom Landeskirchenrat beschlossen und am 31.01.2017 bekannt gemacht. Die als Anlage enthaltene Gebührentafel wurde 2024 neu gefasst und gilt seit 1. Februar 2025.
Kontakt
Friedrichstraße 22/24, 06844 Dessau-Roßlau
- Telefon: 0340 / 2526-1201 oder -1202
- E-Mail: archiv@kircheanhalt.de
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung
Aktuelles
Das Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts (AELKA) ist zwar nach dem Stellenplan ein Ein-Mann-Archiv, aber insgesamt acht ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen Dr. Jan Brademann, den Leiter und zugleich einzigen Angestellten. Dadurch ist ein kontinuierlicher und erfolgreicher Archivbetrieb möglich.
Gemeinsam erledigen wir die vielfältigen Aufgaben eines kirchlichen Archivs mit Freude und Hingabe. Darüber berichtete im vergangenen Jahr Die Kirchenzeitung.
Übernahme und Bewertung I Zuletzt übernommen wurden:
- Registratur Landeskirchenamt ca. 1995-2010
- Pfarrarchiv Kleinpaschleben
- Pfarrarchiv Osternienburg
- Kirchenbücher mehrerer Gemeinden
Bestandserhaltung I Gereinigt und verpackt wurden zuletzt:
- Pfarrarchiv Wulfen
- Pfarrarchiv Drosa
- Pfarrarchiv Reupzig
- Pfarrarchiv Quellendorf
- Pfarrarchiv Horstdorf
Erschließung I Verzeichnet oder retrokonvertiert wurden zuletzt:
- Landeskirchenamt ca. 1970-1995
- Anhaltische Landessynode 1945-2000
Seit 2016 verfügt das Archiv über eine Datenbank. Nicht zuletzt aufgrund ehrenamtlicher Hilfe ist sie in den letzten Jahren gefüllt worden. Wir planen, Ende 2025 mit der Datenbank online zu gehen, so dass Nutzer künftig von zu Hause aus nach Archivalien unseres Hauses suchen können.
Digitalisierung
Die Evangelische Landeskirche Anhalts ist Mitgesellschafterin des Kirchenbuchportals archion.de. Hier lassen sich Kirchenbücher online einsehen.
Die Digitalisierung der Kirchenbücher schreitet beständig voran. Die im Archiv lagernden Bücher sind mittlerweile alle verfilmt und digitalisiert. Seit 2021 beziehen wir auch die in den Pfarrämtern archivierten Register in das Projekt ein. Nach und nach sollen bis Ende 2028 alle Kirchenbücher Anhalts digitalisiert und (mit Rücksicht auf Schutzfristen) online verfügbar sein.
Vierthalerkartei
Die Vierthalerkartei, das wichtigste genealogische Hilfsmittel für die Region, wird derzeit digitalisiert. Sie soll in wenigen Wochen ebenfalls bei archion.de online verfügbar sein.

Das Archiv und
die anhaltische Kirche

Die Evangelische Landeskirche Anhalts ist eine kleine Kirche. Sie ist auch die einzige Körperschaft öffentlichen Rechts, deren religiöses, soziales und kulturelles Engagement sich auf Anhalt erstreckt. Sie ging 1919/20 aus der Landeskirche des Herzogtums hervor.
Damit knüpft sie an Strukturen an, deren Anfänge im Hochmittelalter liegen. Doch erst auf der Grundlage der von Wittenberg, Zürich und Genf aus angestoßenen Reformation im 16. Jahrhundert entstand, in enger Verknüpfung mit dem Staat der Fürsten von Anhalt, eine eigenständige evangelische Kirche.
Das landeskirchliche Archiv versteht sich als Gedächtnisstütze für diese Kontinuität, die sich in der Gegenwart fortsetzt. Denn nur eine selbstbewusste Kirche, die ihre Wurzeln kennt, die sich das Gespür für das Gewachsene und Gewordene erhält, aber auch den kritischen Blick darauf schärft, kann sich in der Gegenwart behaupten.
Das Archiv und
die anhaltische Geschichte

Für das Verständnis der Geschichte Anhalts ist es wichtig, Zugang zur Überlieferung bekommen und sich mit ihr auseinandersetzen können. Das Archiv erkennt in der langen Dauer des Christentums in Anhalt eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.
„Welche Rolle spielten die Gemeinden in der friedlichen Revolution 1989?“ oder „Wann wurde meine Großmutter getauft?“ sind nur Fragen, für deren Beantwortung das Archiv Unterstützung bietet. Auch bei der Auswertung des Archivguts hilft das Archiv mit, indem es sich an der Erforschung und Vermittlung von Kirchengeschichte beteiligt.
Mit den Arbeiten von Franz Bobbe, Die Kirchenbücher in Anhalt, in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde 7 (1898), S. 198-222, sowie von Reinhold Specht, Das Land Anhalt (Familiengeschichtlicher Wegweiser; Hefte 7-9), Leipzig 1937 (3 Bde.), können sich Genealogen einen ersten Überblick verschaffen.
Hier finden Sie den Aufsatz von Bobbe sowie das Heft 7, Heft 8 und Heft 9 des Werks von Specht.
Das Archiv und
seine Bestände

Das Archiv befindet sich seit seiner Gründung 1985 im Westteil der Dessauer Pauluskirche in der Radegaster Straße. Hier lagern etwa achthundert Meter Akten sowie etwa 30.000 Bücher der landeskirchlichen Bibliothek. Obschon das Archiv relativ jung ist, verfügt es über interessante Bestände vornehmlich des 19. und 20., aber auch des 16. bis 18. Jahrhunderts, die in der Gegenwart durch Übernahmen von Registraturgut, aber auch von Gemeindearchiven und Nachlässen ergänzt werden.
Wir arbeiten daran, die Erschließungsinformationen über unser Archivgut für eine elektronische Recherche zugänglich zu machen. Derzeit können Sie sich hier einen Überblick über unsere Bestände verschaffen. Für die meisten davon stehen Ihnen für Ihre Recherche vor Ort Findbücher zur Verfügung. Gern recherchieren wir im Voraus gemäß Ihrer Interessen.

Veranstaltungen
Im Rahmen der Reihe "Leben(s)erfahren im Alter" ist Dr. Jan Brademann in Köthen im Wolfgangstift zu Gast. Er wird über das Thema „Die Evangelische Landeskirche Anhalts in der DDR Zeit“ sprechen. Beginn ist am 17.03.2026, 10 Uhr. Dr. Jan Brademann steht nach seinem Vortrag für ein Gespräch bei Kaffee und Keksen bereit.
Publikationen
Herausgefordert. Die anhaltische Landeskirche 1945 bis 1969. Im Auftrag der Kirchengeschichtlichen Kammer für Anhalt hrsg. von Jan Brademann, Lambrecht Kuhn und Joachim Liebig (Herbergen der Christenheit; SB 31), Leipzig 2024
Enstehung des Archivs
Bei den umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten an der am 7. März 1945 stark zerstörten Pauluskirche wurde Anfang der 1980er Jahre der westliche Teil der Kirche mitsamt der alten Orgelempore zu einem als Archiv und Bibliothek nutzbaren Zweckbau umgebaut.
Ein zentrales landeskirchliches Archiv besaß die Anhaltische Landeskirche bis dahin nicht, nur Pfarr- und Superintendenturarchive in den Kirchengemeinden und den Kirchenkreisen. Bis 1918 – der Herzog war Landesbischof – gelangten die Akten, die die Landeskirche als ganze betrafen, zumeist in das Anhaltische Staatsarchiv. Nach der Trennung von Kirche und Staat bewahrte die Kirche ihr Schriftgut in eigener Verantwortung auf. Im Laufe der Zeit wuchsen diese Bestände so an, auch ältere Akten kamen hinzu, dass der Landeskirchenrat Anfang der 1980er Jahre beschloss, ein landeskirchliches Archiv in der Pauluskirche einzurichten.
Seit 1985 wurden die an verschiedenen Stellen in Dessau lagernden älteren Akten des Landeskirchenrates, landeskirchlicher Dienststellen aber auch von Kreisoberpfarrämtern und einigen Pfarrämtern in die Pauluskirche gebracht.
Waren die Bestände bis dahin nur sporadisch bearbeitet worden, so konnte nun mit der umfassenden Ordnung und Verzeichnung der Bestände begonnen werden. Dieser Prozess der Erschließung ist immer noch im Gange, da im Zuge von Strukturveränderungen nach wie vor Bestände in das landeskirchliche Archiv gelangen.
Zuständig ist das Archiv für das gesamte Gebiet der Anhaltischen Landeskirche, das in etwa das Gebiet des Herzogtums bzw. Freistaats Anhalt [Link zur Karte] umfasst. Den ältesten Bestand bilden einige Köthener Urkunden, deren früheste von 1445 datiert. Die Bestände der Superintendenturarchive Bernburg, Köthen und Dessau reichen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Akten des Anhaltischen Konsistoriums sind von etwa 1830 bis 1918 vorhanden, des Landeskirchenrates mit größeren Kriegsverlusten seit 1920.
Neben mehreren Pfarrarchiven sind auch einige Nachlässe kirchlicher Persönlichkeiten vorhanden. Für Ahnenforscher von besonderem Interesse sind auch die im Archiv lagernden Kirchenbücher anhaltischer Kirchengemeinden. Sie sind mittlerweile digitalisiert und können online eingesehen werden unter archion.de. Etwa die Hälfte der ca. 3.500 Kirchenbücher Anhalts befindet sich in den Pfarrämtern vor Ort. Sie werden weiter digitalisiert und zum Teil auch im Archiv zentralisiert.

