BIBELGESELLSCHAFT

Seit über 190 Jahren besteht im Bereich der Evangelischen Landeskirche Anhalts die Anhaltische Bibelgesellschaft.

Schwerpunkte ihrer Arbeit sind:

  • die Bibel in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, damit Menschen, die bisher keinen Kontakt zur Bibel hatten, die Entdeckung machen können: Die Bibel hat etwas mit unserem Leben zu tun – sie gibt Orientierungshilfe zu den Fragen und Problemen unserer Zeit,
  • die biblischen Kenntnisse zu vertiefen in Seminarangeboten, Ausstellungen, Bibelwochen und in Hausbibelkreisen,
  • die Bibel in Anhalt zu verbreiten mit speziellen Angeboten für die Gemeinden, einem Angebot von Schulbibeln an Schulen und Büchertischen in den Gemeinden,
  • die Bibelverbreitung durch die Weltbibelhilfe zu unterstützen

Ein herausragendes Projekt war die Entstehung des Anhaltischen Evangeliars.

Hintergrund

Jede Geschichte hat ihren Ursprung in der poltischen und geistigen Situation ihrer Zeit – so auch die Geschichte der Anhaltischen Bibelgesellschaft. Wenn wir heute nach den Ursachen für die Gründung der Anhaltischen Bibelgesellschaft fragen, müssen wir uns vor Augen halten, dass Anfang des 19. Jahrhunderts eine wahre Bibelgesellschaftsbewegung durch die deutschen Lande gegangen ist.

Die Aufgabe der Bibelgesellschaften hatte somit eine doppelte Ausrichtung: 

  • die Übersetzung der heiligen Schrift, um sie weltweit zu verbreiten
  • die Unterstützung der „ärmeren Christen“, denen die Anschaffung einer Bibel aus eigenen Mitteln schwer fiel. Diese Bewegung umfasste Christen der verschiedensten Geistes- und Glaubensrichtungen.

Der erste Verein dieser Art nahm in London 1804 seinen Anfang. Durch die Wirksamkeit und Unterstützung dieser Stiftung bildeten sich bald in „allen Theilen der christlichen Welt“ ähnliche Gesellschaften – so auch in Anhalt. 1818 wurde im Herzogtum Anhalt-Cöthen die erste Bibelgesellschaft gegründet. Ihr folgten 1821 die Bibelgesellschaft in Anhalt-Bernburg und 1836 in Anhalt-Dessau.

Die Impulse für das Entstehen der Bibelgesellschaften in Anhalt wirkten weiter bei ihrer Arbeit auf dem Weg durch die Zeit. Die Mitglieder wussten sich der missionarischen Aufgabe verpflichtet, die Heilige Schrift nach der Übersetzung M. Luthers in ihrem Gebiet zu verbreiten und zu diesem Zwecke Bibeln an bedürftige Gemeindeglieder sowie an Schulkinder verbilligt bzw. kostenlos abzugeben. Die finanziellen Mittel dafür setzten sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und einer jährlichen Kollekte zusammen. Die uns erhaltenen Jahresberichte geben Auskunft darüber, dass dieses Anliegen nicht nur eine Sache der Pfarrer, sondern der ganzen Gemeinde war.

Entwicklung

In den Statuten der Bernburgischen Bibelgesellschaft ist belegt, dass „schon sämtliche Prediger des Landes (Anhalt-Bernburg) ihren Beitritt erklärt haben“. Die Jahresrechnungen der Anhalt-Dessauischen Bibelgesellschaft listen neben den Kollekten alle eingegangenen Beiträge namentlich auf. So hat z. B. Se. Hoheit der Herzog im Jahre 1885 einen Beitrag von 36 M zur Verfügung gestellt, der Beitrag von Gemeindegliedern liegt dagegen zwischen 50 Pfund 2 M. Während die beiden Bibelgesellschaften in Bernburg und Dessau Anfang unseres Jahrhunderts ihre Aktivitäten aufgaben, wirkte die Anhalt-Cöthensche Bibelgesellschaft bis in unsere Zeit hinein.

Ihre vom Herzoglich Anhaltischen Consistorium am 22. April 1856 bestätigten Statuten wurden im Jahre 1959 durchgearbeitet und neu formuliert, die Anhalt- Cöthensche Bibelgesellschaft in „Anhaltisches Bibelwerk“ umbenannt. Die neuen Statuten wurden jedoch wegen der „schwebenden Fragen – die nicht druckenden Bibelgesellschaften betreffend“ nicht in Kraft gesetzt. Vorsitzende der Anhalt-Cöthenschen Bibelgesellschaft/des Anhaltischen Bibelwerkes:

  • 1947-1958: Kreisoberpfarrer Karl Windschild, Köthen
  • 1958-1961: Pfarrer Karl Hans Windschild, Staßfurt
  • 1961-1993: Kreisoberpfarrer Christoph Schröter, Ballenstedt
  • 1994-2005: Gudrun Discher, Dessau
  • 2005-2018: Kreisoberpfarrer Karl-Heinz Schmidt, Bernburg
  • ab 2018: Kreisoberpfarrer Lothar Scholz, Köthen

Das Anhaltische Bibelwerk sah seine Aufgabe vor allem in der Verbreitung von Bibeln und biblischem Schrifttum an Kirchengemeinden, Werke, Heime und Einzelpersonen, aber auch in der Vermittlung von Vorträgen und gelegentlichen Ausstellungen sowie in der Unterstützung der Weltbibelhilfe durch eine jährliche Kollekte am Pfingstsonntag.

Impulse

Neue Impulse erhielt das Bibelwerk im „Jahr mit der Bibel“ 1992. Die Synode regte an, ein Bibelfest in unserer Landeskirche durchzuführen, das erstmals am 8. Mai 1993 in Köthen stattfand und seither stets im Herbst, meist rund um den Bibelturm Wörlitz, veranstaltet wird. 

Im gleichen Zeitraum gab es Überlegungen zur Bibelverbreitung in Anhalt, die von der Evangelischen Haupt-Bibelgesellschaft in Berlin angeregt wurden. Eine ökumenische Gruppe erarbeitete das Projekt „Bibelturm Wörlitz“. Seit dem 3. September 1994 haben weit über 360.000 Besucher des Wörlitzer Parkes und der Kirche St. Petri die erlebnisorientierte Ausstellung in der ehemaligen Türmerwohnung besucht.

Bereits 1918 schlossen sich alle Bibelgesellschaften zusammen, um sich über die Fragen der Bibelverbreitung zu beraten. Auch die Anhalt Cöthensche Bibelgesellschaft/ das Anhaltische Bibelwerk waren Mitglied im Verband der Bibelgesellschaften bzw. im „Bibelwerk“, der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Bibelgesellschaften in der DDR. Fast 10 Jahre (1969-1977) hatte der Kirchenpräsident der anhaltischen Landeskirche Dr. Martin Müller den Vorsitz dieser Arbeitsgemeinschaft inne.

Die Anhaltische Bibelgesellschaft hat am 24.4.1995 einen Antrag auf Aufnahme in der Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft gestellt, die heute die Aufgaben eines Dachverbandes für die regionalen Bibelgesellschaften wahrnimmt.

Evangeliar-Projekt

Von April 2004 bis Januar 2006 haben über 400 Menschen in Anhalt mit ihrer unverwechselbaren Handschrift die vier Evangelien der Bibel abgeschrieben. Die jeweiligen Bibelabschnitte wurden kommentiert durch Bilder, eigene Texte, Kompositionen oder grafische Darstellungen. Gemeindegruppen, kirchliche Werke und Einrichtungen, Prominente, Künstler, Schulklassen und andere Gruppen beteiligt.

Ziel des Evangeliar-Projekts war die intensive Auseinandersetzung mit dem Buch der Bücher, die Beteiligung von Menschen aller Altersgruppen mit ihrer Freude am Schreiben und Gestalten von Texten und Kommentaren.

Die insgesamt über 1.000 gestalteten und geschriebenen Seiten wurden zu vier kostbaren Evangeliarbänden gefasst. Diese heben die aktuelle Bedeutung der christlichen Botschaft in unserer Kultur hervor und stehen für den Gebrauch in Kirche und Öffentlichkeit. Die Evangeliarbände werden im Landeskirchenamt der Evangelischen Landeskirche Anhalts aufbewahrt.

Ein besonderer Dank für die Umsetzung des Projekts gilt

  • allen Schreiberinnen und Schreibern
  • dem ehem. Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz (Schirmherrschaft)
  • Frank Gorgas und Gudrun Discher (Projektleitung)
  • Christian Biener (Buchbindearbeiten)
  • Wilfried Meinharth (Umschlaggestaltung)

Ansprechpartner und Kontakt

Geschäftsführer

Pfarrer Torsten Neumann

Friedrichstraße 22/24

06844 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340 / 2526-1105

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